Joseph Brodskys Buch habe ich am Wasser fertig gelesen. Von einem schwankenden Schiff bin ich auf einen schwankenden Steg gestiegen und von diesem in die Stadt hineingegangen, von der ich das Gefühl hatte: Auch sie schwankt und zwar wie ein kenterndes Schiff, das wegkippt. Die bekannte Metropole ist auf Pfählen gebaut. Man geht davon aus,„Naturgewalt und Menschengewalt“ weiterlesen
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Endlektüren
Oder: Literaturclips zu klassischen und weniger klassischen Texten Oksar Panizza – Platons Höhlenvisions Sicht auf den Hund (Sugiez) Demnächst: Erlkönig (Le Pont) Fabrice Caro und Didier Conrad – Die fidele Galeere (Lissabon/Davos) Wassili Grossman – Leben und Schicksal (Stalingrad) Georges Rodenbach – Eurydices vollformendetes Haar (Brügge) Volker Himmelseher – Kühnes Lauf in den Untergang (Brügge) Pietr„Endlektüren“ weiterlesen
Die Geburt seines Namens
Das Ziel ist erreicht. Oskar Maria Grafs Buch ‘Wir sind Gefangene’ habe ich in der nach ihm benannten Brasserie in München fertig gelesen. Ganz anders als die immense Schöpferkraft und Fabulierkunst des Autors, der für die Leserinnen und Leser grosszügig seine Gedanken, Beobachtungen und Phantasien auf dem Papier auslegte, zeichnet sich das Kaffeehaus durch Schlichtheit„Die Geburt seines Namens“ weiterlesen
Die Vertreibung aus dem Paradies
Es heisst: Gott schuf die Welt in sechs Tagen und liess dann eine Pause von vierundzwanzig Stunden folgen. Das war einmal. Mark Twains kurze Geschichte über die Menschwerdung schildert die Entstehung der Menschheit aus der Perspektive eines Hundes. Diese Assoziation jedenfalls weckt der Autor mit bitterbösem Blick auf seinen Helden zu Beginn des Textes Adam’s„Die Vertreibung aus dem Paradies“ weiterlesen
Lose aller Rücksicht
Keinen geeigneteren Ort gibt es aktuell, um Kafkas Schloss fertig zu lesen, als den Strauhof in Zürich. In jener Stadt hat der Autor nie gelebt. Gleichwohl widmet ihm das Museum eine Ausstellung. Sie ist übersichtlich und informativ. Um mit den Texten des Autors vertraut zu werden, ist ein schöner, weisser Raum – karg wie der„Lose aller Rücksicht“ weiterlesen
Unsicherheitsfaktor Zug
Der Nervenkitzel ist enorm. Ich sitze im Zug. Der Platz mir gegenüber bleibt unbesetzt. Auf meinen Knien ruht der Roman «Zwei Fremde im Zug» von Patricia Highsmith. Der Konvoi hält. Leute steigen ein. Der Testosteronspiegel steigt. Wird sich jemand mir gegenüber hinsetzen? Wer wird es sein? Hege ich den Wunsch, eine mir missliebige Gestalt beiseite„Unsicherheitsfaktor Zug“ weiterlesen
Zwei auf einen Streich
Josef Winkler entführt seine Lesergemeinschaft gleich in zwei fremde, unterschiedliche Welten. Ihn verschlägt es auf seiner Suche nach Marokko. Diese nordafrikanische Umgebung ist durchaus eigenartig, wenn man erstmals den Fuss in sie setzt. Gepflogenheiten und Bräuche sind anders als auf dem europäischen Festland. Der Autor hat seine liebe Not in einem Land, wo die Einwohnerinnen„Zwei auf einen Streich“ weiterlesen
Dschungel-City
Gravesend ist ein unbedeutender Ort. Wichtig ist er jedoch, weil dort die Themse in die Nordsee fliesst. Dahin habe ich mich begeben. Ich schaue flussaufwärts und auch flussabwärts. Schiffe fahren in beide Richtungen. Heute ist der Ort für die Touristinnen und Touristen herausgeputzt. Und sie kommen. Immerhin startet unten am Hafen eine der bekanntesten Erzählungen„Dschungel-City“ weiterlesen
Basler Waggis: Das leere Buch
Basels Intellekta trumpft nicht mit Herausragendem auf. Vielmehr zieht sich jene Intelligenz den Schleier der Nacht über das Gesicht. Wenigstens einmal im Jahr. An der Fasnacht. Zu deren Beginn dunkeln Volk und Behörde die Stadt am Rheinknie ab. Morgestraich heisst die Ausrede. Das verunmöglicht mir, dort ein Buch zu lesen, geschweige denn, es fertig zu„Basler Waggis: Das leere Buch“ weiterlesen
Feigenblatt des Superkonsums
Der Frühling ist wieder ausgebrochen. Der Natur geht es gut. Blumen und Abfälle spriessen. Wohin damit, wenn nicht in den Kompost? Das Geschäft läuft auf Hochtouren. Alle Ware findet Abnehmer. Was für das Gemüse das Bio-Label ist, ist für den Chemieabfall und den Atommüll und weiteres zu entsorgendes Material , das aus den konsumfreudigen Ländern„Feigenblatt des Superkonsums“ weiterlesen