Blickwurf aus dem Fenster

Ivan Petunin brachte sich wegen Putin um. Semjon Semjonowitsch Podsekalnikow wollte ein Gleiches wegen einer Leberwurst tun. Doch das makabre Theaterstück von Nikolai Robertowitsch Erdman, geschrieben zur Sowjetzeit, lässt einen anderen Schluss zu und hat dennoch nichts an Aktualität eingebüsst. Frankreichs Nationales Volkstheater bot kürzlich eine Inszenierung des Stücks und führte Erdmann und Petunin zusammen.„Blickwurf aus dem Fenster“ weiterlesen

Eheschluss im Jenseits und zurück zum Tod

Heiraten im Jenseits? Doch, das gibt es. Die zwischen zwei Individuen geschlossene, amtlich abgesegnete Verbindung ist jedoch an eine konkrete Bedingung geknüpft. Sie heisst Liebe. Wird dieser nicht innerhalb der gesetzten Frist von vierundzwanzig Stunden erfüllt, folgt der zweite Schiedsspruch: Les jeux sont faits. Das mit der Liebe, die nicht nur in Worten gelebt wird,„Eheschluss im Jenseits und zurück zum Tod“ weiterlesen

Pendler zwischen Seine und Pernod

Eiseskälte kommt vom Wasser herauf, vom Himmel keine Wärme. Der Kanalwand in meinem Rücken mangelt es an aufmunternder Wirkung. Ischias und Rheuma geben sich die Hand. Es ist Winter. Oben auf der Strasse rauscht der Verkehr vorbei. Hier unten kann ich mir so viele Zeitungen und Decken um den Leib wickeln, wie ich will: Behaglich„Pendler zwischen Seine und Pernod“ weiterlesen

Die Gespielin des Geldes

Fjodor Michailowitsch Dostojewski schrieb seinen Spieler mit viel Verzweiflungs-Schweiss an den Fingern, Isabelle Lehn ihre Spielerin mit viel leckerem Speichel im Mund. Er hörte auf Begriffe wie Mise und Les jeux sont faits, sie auf Hedgefonds, Derivat und ETC, einem Vabanquespiel auf höchstem Niveau in der Casinowelt der Hochfinanz. Er spielte in Wiesbaden, sie in„Die Gespielin des Geldes“ weiterlesen

Jungs suchen Freundschaft

Antoine de Saint-Exupéry und Jean Cocteau haben nichts miteinander zu tun. Es gibt keine Gemeinsamkeiten. Das ist die allgemeine Ansicht. Weit gefehlt! Mehreres verbindet sie: Beide sind Franzosen. Beiden ist eigen, dass sie sowohl als Zeichner wie als Autor auftraten. Ich habe mich nach Villefranche-sur-Mer begeben, wo Cocteau den Innenraum der Peters-Kapelle ausmalte. Im Gepäck„Jungs suchen Freundschaft“ weiterlesen

Weissagung der Symbole

Zerschlagene Gesichter, zerstörte Wappen, verblassende Farben, zerfallende Reliefs, angeknabberte Holzleisten, erlöschende Embleme, schwindende Aussagen und noch mehr findet sich auf jenen Zeichen und Signalen, die allenthalben allerorts Hausmauern, Eingänge und Strassen zieren: Verwischte Umrisse, abgewetzte Kanten, stumpfe Ecken – Eisen hält dagegen länger: Ein Ring prangt schwarz am Fuss einer Treppe, über welche ein Mann„Weissagung der Symbole“ weiterlesen

Hinaus aus dem Sprachstau

Eine fabelhafte Konstruktion über Frauen, Hexen und genderfluide Familienbande liefert Kim de l’Horizon mit seinem Blutbuch. In diesem geht das Leiden über die Körperlichkeit einher mit dem Leiden über die Sprache. Sprache ist immer ein Stück Heimat und Familie. Auch der Körper, in welchen der Säugling hinein geboren wird, stellt ein Stück Heimat dar. Mehr„Hinaus aus dem Sprachstau“ weiterlesen

Denken in drei Punkten

Max Frisch, auf der Suche nach Stoff, stiess in Locarno auf einen solchen. Er breitete diesen in der Erzählung Der Traum des Apothekers von Locarno aus. Der Text ist kurz – und bündig weniger. Darüber hinweg hilft sich der Autor mit den drei Auslassungspunkten. Das Bändchen eignet sich dazu, in der Stadt unter den Arkaden„Denken in drei Punkten“ weiterlesen

Heidi weitab in den Bergen

Tönt eine Glocke in einem Schlafzimmer gleich wie in der Küche oder schlagen die umgebenden Wände lautverfremdend auf den Ton zurück? Diese Frage lässt sich auf Bücher umpolen. Die Aussage lautet dann: Ein Buch liest sich im Stauraum einer Nasszelle anders als auf einer Parkbank. Angemerkt sei, dass ich schon wieder einen Krimi von Donna„Heidi weitab in den Bergen“ weiterlesen

Das krude Schachspiel

Dunkle Machenschaften von Schach spielenden Männern rollt Friedrich Dürrenmatt auf. Für viele bleibt Schach ein Fragment, weil sie die Regeln nicht kennen und darum das Spiel nicht verstehen. Friedrich Dürrenmatt gibt neue Regeln für ein krudes Schachspiel durch. Des Autors Idee ist ein Knaller und hätte er den Text, der als Fragment verkauft wird, zu„Das krude Schachspiel“ weiterlesen