Fjodor Michailowitsch Dostojewski schrieb seinen Spieler mit viel Verzweiflungs-Schweiss an den Fingern, Isabelle Lehn ihre Spielerin mit viel leckerem Speichel im Mund. Er hörte auf Begriffe wie Mise und Les jeux sont faits, sie auf Hedgefonds, Derivat und ETC, einem Vabanquespiel auf höchstem Niveau in der Casinowelt der Hochfinanz. Er spielte in Wiesbaden, sie in„Die Gespielin des Geldes“ weiterlesen
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Jungs suchen Freundschaft
Antoine de Saint-Exupéry und Jean Cocteau haben nichts miteinander zu tun. Es gibt keine Gemeinsamkeiten. Das ist die allgemeine Ansicht. Weit gefehlt! Mehreres verbindet sie: Beide sind Franzosen. Beiden ist eigen, dass sie sowohl als Zeichner wie als Autor auftraten. Ich habe mich nach Villefranche-sur-Mer begeben, wo Cocteau den Innenraum der Peters-Kapelle ausmalte. Im Gepäck„Jungs suchen Freundschaft“ weiterlesen
Weissagung der Symbole
Zerschlagene Gesichter, zerstörte Wappen, verblassende Farben, zerfallende Reliefs, angeknabberte Holzleisten, erlöschende Embleme, schwindende Aussagen und noch mehr findet sich auf jenen Zeichen und Signalen, die allenthalben allerorts Hausmauern, Eingänge und Strassen zieren: Verwischte Umrisse, abgewetzte Kanten, stumpfe Ecken – Eisen hält dagegen länger: Ein Ring prangt schwarz am Fuss einer Treppe, über welche ein Mann„Weissagung der Symbole“ weiterlesen
Hinaus aus dem Sprachstau
Eine fabelhafte Konstruktion über Frauen, Hexen und genderfluide Familienbande liefert Kim de l’Horizon mit seinem Blutbuch. In diesem geht das Leiden über die Körperlichkeit einher mit dem Leiden über die Sprache. Sprache ist immer ein Stück Heimat und Familie. Auch der Körper, in welchen der Säugling hinein geboren wird, stellt ein Stück Heimat dar. Mehr„Hinaus aus dem Sprachstau“ weiterlesen
Denken in drei Punkten
Max Frisch, auf der Suche nach Stoff, stiess in Locarno auf einen solchen. Er breitete diesen in der Erzählung Der Traum des Apothekers von Locarno aus. Der Text ist kurz – und bündig weniger. Darüber hinweg hilft sich der Autor mit den drei Auslassungspunkten. Das Bändchen eignet sich dazu, in der Stadt unter den Arkaden„Denken in drei Punkten“ weiterlesen
Heidi weitab in den Bergen
Tönt eine Glocke in einem Schlafzimmer gleich wie in der Küche oder schlagen die umgebenden Wände lautverfremdend auf den Ton zurück? Diese Frage lässt sich auf Bücher umpolen. Die Aussage lautet dann: Ein Buch liest sich im Stauraum einer Nasszelle anders als auf einer Parkbank. Angemerkt sei, dass ich schon wieder einen Krimi von Donna„Heidi weitab in den Bergen“ weiterlesen
Das krude Schachspiel
Dunkle Machenschaften von Schach spielenden Männern rollt Friedrich Dürrenmatt auf. Für viele bleibt Schach ein Fragment, weil sie die Regeln nicht kennen und darum das Spiel nicht verstehen. Friedrich Dürrenmatt gibt neue Regeln für ein krudes Schachspiel durch. Des Autors Idee ist ein Knaller und hätte er den Text, der als Fragment verkauft wird, zu„Das krude Schachspiel“ weiterlesen
Friedrich Nietzsche: Endlektüre ohne Ende
Der ewig alles Hinterfragende Friedrich Nietzsche stieg den Weg nach Èze hinauf. Sobald er alles hinterfragt hatte, konnte er lachen. Das Lachen schlug vom bizarren Felsen der mächtigen, steil aufsteigenden Corniche, die ihn umgab, zurück. Er stürzte tief auf seinem Weg hinab, weil er nicht wusste, worüber er in seiner Umwertung aller Werte lachte und„Friedrich Nietzsche: Endlektüre ohne Ende“ weiterlesen
Trauerhochzeit im menschlichen Abseits
Merkwürdig ist es, in der heutigen Zeit Stefan Zweigs Novelle Die Hochzeit von Lyon zu lesen. Ein Paar wird getrennt und findet sich ganz überraschend in einem Kellerkerker der französischen Revolution wieder. Im Beisein der anderen Gefangenen vermählt es sich im tristen Gewölbe, wo all jene warten, die im Namen der Politik erschossen werden sollen.„Trauerhochzeit im menschlichen Abseits“ weiterlesen
Filmflimmern auf der Piazza
Das ideale Buch, um mir einen Abend auf der Piazza Grande zusätzlich zu versüssen, bevor ein Film auf der riesengrossen Leinwand gezeigt wird, liegt auf meinen Knien: Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore von Bruno Varese. Die Verlockung, den Band genau auf diesem Platz fertig zu lesen, ist ebenfalls riesig. Die Akteure im Buch„Filmflimmern auf der Piazza“ weiterlesen