Zeichne mir eine Galeere. Sie soll gross sein. Und die Gestalt haben von einem unförmigen Klotz, der ohne Schönheit ist. Diese Galeere liegt nicht im Hafen von Olisipo, heute Lissabon, sondern in den Bergen und ist an den Hängen des Schiahorn und Jakobshorn vertäut.

Ich habe mich nach Davos begeben, um dem Schiff nachzuspüren und gleichzeitig in den Düften des portugiesischen Roms zu schwelgen. Als geeigneter Punkt dafür bot sich das Kongresszentrum mit seinem gläsernen Eingangsbereich an, der viel Licht in das Gebäude lässt. Vor Ort stiess ich auf ein Gefährt, das an Hässlichkeit nicht zu überbieten ist. Zum Glück hatte ich den neusten Band von Asterix und Obelix auf mir. In diesem zu blättern, brachte Farbe in das traurige Bild, das Davos mir bot.

Im Comic finden sich zwei überdeutliche Anspielungen auf das mondäne Dorf. Die ominöse Galeere entpuppt sich als Kongresszentrum. Dieses genügt als Zweckbau keinen ästhetischen Ansprüchen. Wie vermutlich die Hälfte der neuen Häuser im Bergort ist auch dieser in Beton gegossen. Hölzerne Palisaden decken die Mauern ab. Die Holzlatten – sie wirken wie ein Heer von Rudern auf einer Galeere – täuschen Naturnähe und Chalet-Ambiente vor. Hinter den Mauern wird jährlich das Bankett des World Economic Forums, kurz WEF, gegeben. Zum Gipfeltreffen in Olisipo bot der Organisator, Gouverneur Pluvalus, unter anderem den Schweizer Finanzgenossen Lefricséchix auf. Man soll sich nicht täuschen: Auch am Schweizer WEF ist Geld chic.

Die fidele Galeere im Hafen von Olisipo taufte der Besitzer auf den Namen «Die Davos». Eine anmutige Rampe steigt zum Deck des Schiffs hinauf. Der Eingangsbereich zum berühmten Zentrum hingegen ist eine Ausladung. Er macht den Panzerknackern alle Ehre. In Lusitanien, heute Portugal, wo der erwähnte Band von Fabcaro und Didier Conrad spielt, brechen nicht die genannten Ganoven in die Galeere ein. Auf dem Deck sorgen vielmehr Asterix und Obelix für erhebliche Unruhe.

Ich habe mich weit ab vom alpinen Bunkereingang auf der Ferranda einer Bar niedergelassen und im Band geblättert. Im Geiste habe ich die Galeere gezeichnet und mir vorgestellt, was auf dieser beim beschriebenen Festmahl, zu dem sich die beiden gallischen Helden Zutritt verschafft hatten, serviert worden war: Hahnenkämme, Kamelfersen, Feigenleber und weitere Kostbarkeiten wie Pfauenhirnragout, Nachtigallenzungen oder gar gebratene Flamingozunge. Nichts von alledem wird wohl anlässlich des World Economic Forums den Gästen aufgetischt. Aber Kurioses muss dabei sein – etwa Kaviar, weisser Trüffel, Kugelfisch oder Hákarl. Die Speisen stellen ein würdiges Symbol des Gegensatzes zur Armut dar, die am WEF draussen zu bleiben hat. Panzertüren schirmen die beiden Welten voneinander ab. Auf diese Weise können beide Seiten eigensinnig auf ihrer Position beharren und die Anderen ausschliessen. Ein Austausch bleibt aus, der die Fronten aufweichen könnte.

Ich blickte vom Comic-Band auf. Das Glockenspiel am Platz tönte eine Weihnachtsweise an. Mir war’s zudem, als kläffe unweit des Lokals, wo ich draussen beim Kaffee sass, ein kleiner Hund. Ich biss in die Waffel hinein, die ich drüben in einem Warenhaus gekauft hatte. Der Hund, der Idefix glich, bellte sich die Lunge aus dem Leib: Wef, Waf, Waf, Wefwef, Waf, Waffen, Waffen. Ich vermeinte zudem, ein Waffeln auszumachen. Doch dem Hund gelang es nicht, dass L richtig aus dem Rachen zu stossen. Aus dem Waffeln für die Welt wurde einfach nichts. So blieb das WEF bei den Waffen.
