
Die hurtige Route hinaus aufs Land deutet die Weite des Gebiets an, die der strebsame Bauer in Leo Tolstois kurzer Geschichte «Wieviel Erde braucht der Mensch?» begehen will, um den abmarschierten Grund als seinen Besitz zu kennzeichnen. Die schiere Grenzenlosigkeit der Absicht eines rastlosen Mannes, der immer mehr will, verdeutlicht der Autor in einem anderen Roman, in welchem er die Weite seines Landes verarbeitet, indem er einen Helden der Weltgeschichte nach Moskau begleitet: Napoleon. Mit der Gesellschaftsanalyse «Krieg und Frieden» vermag sich ein anderes Werk zu messen, das in den Weiten Russlands spielt: «Leben und Schicksal» von Wassili Grossman. Die Familiengeschichte im Rahmen des Zweiten Weltkrieges, der in seiner Heimat seiner Ansicht nach erst mit dem Tod Stalins endete, kommt ebenso umfangreich daher wie Tolstois grosser Weltbestseller.

Alle drei Geschichten haben die Unermesslichkeit des russischen Gebiets zum Thema. In diesen Flächen verlieren sich Mensch und Vernunft. Und in diese Weiten will ich mich nicht begeben. Einerseits liegen sie zu weit weg von meinem Zuhause. Zum anderen sind sie wieder trauriger und schauriger Schauplatz eines Geschehens, das Tolstoi und Grossmann dazu veranlasste, ihre Meisterwerke zu verfassen. Ich bin brav zu Hause geblieben und habe mich hierzulande lesend in die weiten Ebenen eingelassen, die Tolstoi und Grossmann literarisch Revue passieren.

Ein Kommentar zu “Schiere Grenzenlosigkeit”